Wie können Biogasanlagen nach dem Auslaufen der EEG-Förderung noch wirtschaftlich betrieben werden? Auf Grundlage dieser Fragestellung wurden von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR e.V.) in den vergangenen Jahren mehrere Forschungsprojekte gefördert. Mit dem Verbundprojekt „OPTIBIOSY“ beteiligte sich auch ein interdisziplinäres Forscherteam der beiden Ostbayerischen Technischen Hochschulen Regensburg und Amberg-Weiden an dem Förderaufruf. Aus Regensburg vertreten war die Forschungsstelle für Energienetze und Energiespeicher (FENES, Prof. Dr.-Ing. Oliver Brückl) sowie das Labor für Verbrennungsmotoren (CEEC, Prof. Dr.-Ing. Hans-Peter Rabl). Die OTH Amberg-Weiden nahm mit dem Institut für Energietechnik (IfE) sowie dem Kompetenzzentrum für Kraft-Wärme-Kopplung (KoKWK, beides Prof. Dr.-Ing. Markus Brautsch) am Projekt teil. Unterstützt wurde das Forscherteam außerdem durch die Unternehmen 2G Drives GmbH, AWITE Bioenergie GmbH, Lechwerke AG und LEW Verteilnetz GmbH sowie durch mehrere Biogasanlagenbetreiber als assoziierte Projektpartner.

Im Projekt OPTIBIOSY wurde in den vergangen drei Jahren der Frage nachgegangen, inwiefern Biogasanlagen Systemdienstleistungen für das Stromnetz bereitstellen können und ob darauf ein wirtschaftliches Geschäftsmodell aufgebaut werden kann. Systemdienstleistungen sind neben der reinen Energieerzeugung nötig, um das Stromnetz stabil betreiben zu können.

Die durchgeführten Simulationen zeigten, dass eine Abregelung von Biogasanlagen bei der Behebung von Engpässen im Stromnetz durch die vorhandene Gasspeicherkapazität vorteilhaft gegenüber anderen erneuerbaren Erzeugungsanlagen durchgeführt werden kann. Begrenzt werden die positiven Effekte durch die meist geringen Anlagenleistungen. Im Bereich der Blindleistungsbereitstellung, die für die Regelung der Spannung im Netz notwendig ist, können Biogasanlagen den Bedarf an neuen Kompensationsanlagen verringern. Bei der Betrachtung des Beitrags zur Momentanreserve (Schwungmasse) des Netzes, die für eine Stabilisierung der Frequenz bei plötzlichen Leistungsungleichgewichten (z. B. durch Kraftwerksausfälle) notwendig ist, zeigte sich, dass die Biogasanlagen aufgrund ihrer Generatorgrößen nur einen vergleichsweise geringen Beitrag liefern können. Zur Teilnahme von Biogasanlagen an dezentralen Netzwiederaufbaukonzepten sind in den kommenden Monaten interessante Ergebnisse aus anderen Forschungsprojekten, z. B. dem in Großbritannien laufenden Projekt „Distributed Restart“, zu erwarten.

Zur wirtschaftlichen Beurteilung der Systemdienstleistungsbereitstellung wurden einige Annahmen über zukünftige Märkte oder Vergütungen getroffen, da Systemdienstleistungen heute noch weitgehend inhärent und kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Über alle betrachteten Systemdienstleistungen hinweg ergab sich das Bild, dass zwar Zusatzeinnahmen für Biogasanlagenbetreiber generiert werden können, diese alleine jedoch nicht ausreichen, um zusammen mit dem Energieverkauf am Spotmarkt der Strombörse einen wirtschaftlichen Betrieb sicherzustellen.

Die Ergebnisse des Forschungsprojekts wurden bereits Anfang August unter den beteiligten Projektpartnern vorgestellt und diskutiert (siehe Foto). Ende September präsentierte sie Prof. Brückl auf einer Online-Konferenz des Fördergebers FNR einer breiteren Fachöffentlichkeit. Darüber hinaus wird bereits weiterer Forschungsbedarf anhand der Ergebnisse analysiert, der in möglichen Folgeprojekten bearbeitet werden kann.

Fördermittelgeber:

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